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Die Kinderlosigkeit der Jungen in der Schweiz: Ein Dilemma

In der Schweiz zögert die junge Generation, eigene Kinder zu bekommen. Hohe Lebenshaltungskosten und gesellschaftliche Erwartungen spielen dabei eine große Rolle.

12. Juni 2026
2 Min. Lesezeit

Ein Blick aus dem Fenster eines Zürcher Cafés zeigt eine Gruppe junger Erwachsener, die angeregt diskutiert. Es geht um Karriere, Reisen und die neueste Technologie, doch das Wort „Familie“ fällt nicht. Während sich das gesellschaftliche Bild des traditionellen Familienlebens langsam verändert, ahnt man, dass für viele dieser Vertreter der Generation Y das Kinderkriegen auf der Prioritätenliste weit unten steht.

Die Schweiz wird oft als ein Land des Wohlstands und der Möglichkeiten beschrieben. Doch hinter den glitzernden Fassaden der großen Städte verbirgt sich ein düsteres Bild für diejenigen, die über Familiengründungen nachdenken. Die hohen Lebenshaltungskosten sind nicht gerade dazu angetan, einem Paar die Entscheidung zu erleichtern, ein Kind in die Welt zu setzen. Für die meisten bleibt es eine Frage der finanziellen Machbarkeit. Ein bekannter Zürcher Volkswirt brachte es einmal auf den Punkt: Ein Kind kostet in der Schweiz leicht mehr als das Gehalt eines Durchschnittsangestellten. Es ist kaum verwunderlich, dass viele junge Menschen denken, sie seien besser beraten, ihren Lebensstil ohne die Verantwortung eines Kindes zu gestalten.

gesellschaftliche Erwartungen

Hinzu kommt, dass die gesellschaftlichen Erwartungen an junge Erwachsene enorm gestiegen sind. Der Druck, eine perfekte Karriere aufzubauen, den richtigen Partner zu finden und sich gleichzeitig der Welt zu öffnen, scheint fast erdrückend. Es ist kein Geheimnis, dass Kinder Zeit und Energie kosten, und viele junge Leute empfinden es als unmöglich, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Zudem ist das Bild der „Super-Eltern“, die alles unter einen Hut bekommen, weit verbreitet und trägt nicht gerade zur Entspannung bei.

Veränderungen in den Werten

Ein weiterer Aspekt ist der Wandel der Werte. Viele junge Menschen in der Schweiz sind durch Reisen, Bildung und digitale Medien geprägt. Sie haben andere Prioritäten gesetzt. Die Wertschätzung von Unabhängigkeit und persönlichem Wachstum steht für viele im Vordergrund. Das Streben nach Selbstverwirklichung, das in der eigenen Kindheit oft noch als nachrangig erachtet wurde, hat jetzt einen hohen Stellenwert. Der Kinderwunsch, so scheinen viele zu denken, könnte sich später vielleicht noch realisieren – wenn die Karriere stabil, die finanzielle Situation gesichert und die Freizeit wieder mehr Platz bietet.

Am Ende ist das ‚Hadern’ der Jungen mit dem Kinderkriegen keine individuelle Entscheidung, sondern das Resultat eines komplexen Zusammenspiels von ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren. Die Schweizer Gesellschaft steht an einem Wendepunkt, der die nächste Generation prägen könnte, wenn das Thema Kinder und Familie nicht bald neu bewertet wird. Die Frage bleibt: Wie viel länger kann dieses Zögern noch andauern, ohne dass es tiefgreifende gesellschaftliche Folgen hat?